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Mittwoch, 18. Dezember 2013

Wort zum Mittwoch: Bitteres Weihnachtsgeschäft

In unserem unmittelbaren Umkreis von 5 km haben in den letzten Tagen 3 Märkte geschlossen bzw befinden sich im letzten Akt von "alles muss raus". Zwei weitere werden ihre Flächen verringern und gemeinsam ein Gebäude nutzen.
Kurz vor Weihnachten werden also schätzungsweise rund 100 Menschen, vorwiegend Frauen, ihre Arbeit verlieren oder bestenfalls wechseln.
Der Bahr-Markt hat noch geöffnet, bis alles leer geräumt ist.
Hier habe ich in den letzten Jahren oft und gerne sämtliches Werkel-Equipment gekauft. Nägel, Schrauben, Schleifpapier, Farben, Lacke, Lasuren, Werkzeuge, wir haben unsere Wandfarbe dort mischen lassen, Holz maßgerecht sägen lassen usw. Falls mal was fehlte, war man in gut 5 Minuten da. Das Sortiment war wertig und das Personal immer nett und kompetent. Bahr war mal ein gesundes Unternehmen, die Zerschlagung ist bei Wikipedia zusammengefasst.
Zukünftig werde ich also (und mit mir viele Andere) sinnlos Benzin und Zeit vergeuden, um in den nächsten Baumarkt zu gelangen.

Der zweite Markt ist ein großer Allrounder. Hier konnte man Haushaltswaren, Schreibwaren (ist ja auch eine ausgestorbene Spezies - ich kenne keinen Schreibwarenladen mehr), Spielzeug, Technik und Lebensmittel kaufen. Letzteres war vor allem interessant, weil auch seltene, besondere Lebensmittel im Angebot waren, die ich sonst kaum bekomme. War das Garn alle, brauchte man 'nen neuen Pfannenwender, hatte eine Freundin vom kleinen Kind Geburtstag, brauchte das große Kind ein Kabel, Schreibblock oder Tintenpatronen waren alle oder wollte man mal nicht das Alltagseinerlei kochen, fuhr man auf die Schnelle dahin.  Wenn ich für all die Dinge immer ein extra Geschäft suchen wöllte, würde ich mich stundenlang in der City quälen müssen. Der Markt war immer voll. An 6 Kassen lange Schlagen. Ich frage mich ernsthaft, wer da wieder seine Arbeit nicht gemacht hat.

Ja, auch ich schleiche durch die Gänge und mache noch ein letztes Schnäppchen, aber ich habe ziemliche Bauchschmerzen dabei und mag den Verkäuferinnen nicht ins Gesicht sehen. Was für ein Scheiß
Weihnachten sie alle erwartet!

Und die vielen älteren Menschen, nicht mobil, wo decken die jetzt ihren Bedarf?
Gerade da geht es ja auch um das reale Umfeld in seinem Wohngebiet. Leute treffen, mal ein Schwätzchen mit der Verkäuferin halten, mal raus kommen, mal unter Mitmenschen sein. Dabei bekommt das Einkaufengehen noch eine andere Bedeutung.

Vielleicht sollten wir auch ab und zu unsere Interneteinkäufe überdenken. Ob das für Frauen eine Job-Alternative ist, in riesigen tageslichtfreien Hallen, mies bezahlt und ohne Lobby, meistens nachts im Akkord, als Leiharbeiter am Fließband Päckchen zu packen für höchst fragwürdige Arbeitgeber mit 'nem A oder Z als Anfangsbuchstabe. Gerade der Einzelhandel ist ja noch der größte Arbeitgeber für Frauen.

Es gibt sicher sinnvolle Gründe, im Internet zu kaufen - wenn man auf dem Land wohnt und die Läden in weiter Entfernung sind, wenn man sich seine Bio-Kiste bestellt, weil kein Bio-Markt in der Nähe ist, wenn im Internet Dinge angeboten werden, die der Einzelhandel einfach nicht im Sortiment hat, wenn man Selbstgemachtes sucht und der Preis kann auch ein Argument sein.
Klar - ich bestelle ebenfalls im Internet.

Aber manchmal klickt man bestimmt auch völlig unnötig.
Es wird mir ein Rätsel bleiben, warum man sich beispielsweise um die sinnliche Erfahrung des Besuchs eines Buch- oder Blumengeschäftes bringt.

Amen!
Sorry - mir war gerade so!

Und wie sagte schon der kluge Oscar Wilde:

Es ist so leicht andere, und so schwierig, sich selbst zu belehren..... :-)

Zufälligerweise lief gestern dazu bei Frontal21 im ZDF ein Beitrag.

Hier noch ein paar Bildern vom letzten Waldspaziergang (wieder ohne Zucker) , Xaver hat ganz schön gewildert und wir haben Grünzeugs gesammelt.








Kommentare:

  1. Susanne18.12.13

    Hi, dein Beitrag ist toll und ich muss sagen: Recht hast du! Es tut weh mit ansehen zu müssen, wie Läden schließen und gerade die Älteren nicht mehr für sich selber sorgen können, bzw. nicht alleine mehr einkaufen gehen können. Bei uns war das ähnlich, in dem Dorf in dem ich aufwuchs gab es einen kleinen Supermarkt (wirklich klein aber mit den Dingen, die man eben so braucht Butter z.B....), eine kleine Bäckerei und eine Metzgerei. Auch die alten Leute aus dem Dorf gingen dort immer hin und konnten einkaufen. Dann kamen die großen Ketten und bauten natürlich riesige Einkaufshallen weiter draussen Richtung Industriegebiet. Tja, komm da erstmal hin ohne Auto, denn der Busverkehr ist nun auch nicht so regelmäßig. Wir wohnen nun mit den Eltern meines Mannes in einem Haus, nachdem wir es angepasst haben zogen sie zu uns und ich fahre mit ihnen bzw. mit ihr zum Einkaufen und nehme auch ab und an noch eine Nachbarin mit. Macht mich gerade richtig ärgerlich, je länger ich darüber nachdenke und das hier schreibe, dass auf die Alten keine Rücksicht genommen wird. Und ja: ich bestelle auch ab und an was, aber in Bücherläden, Blumengeschäften und Lebenmittel kaufe ich immer noch vor Ort ein, das ein oder andere bestelle ich mir dann schon.

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  2. Ja, das ist der Lauf der Zeit, viele kleine und mittlere Geschäfte schließen, das Individuelle geht verloren, denn nur die Großen überleben, was zur Folge hat, dass eine Innenstadt wie die andere aussieht. Ohne Auto ist man dann verloren, weil alle Super-und Baumärkte auf die "grüne Wiese" ziehen, wo oft nicht mal ein Bus hinfährt. Mal eben auf die Schnelle und zu Fuß einkaufen gehen, das gibt es fast gar nicht mehr. Wir haben hier die Ausnahme und haben 2 Supermärkte in Gehnähe. Im Internet habe ich bis auf ein paar CD´s noch nie etwas gekauft, denn ich möchte die Dinge sehen und anfassen können, die ich kaufe und möchte durch die Straßen bummeln, vielleicht noch einen Kaffee trinken und den Tag genießen. In ein paar Jahren, wenn die Fachgeschäfte immer weniger werden, dann werden sich alle beklagen, dass man nirgends mehr kompetent beraten wird und es gar keine schönen Innenstädte mehr gibt. Nur das Problem ist dann hausgemacht von den Konsumenten selbst.
    In Freiburg habe ich bestimmt fast ein Dutzend Schreibwarengeschäfte gesehen, was mich total verwundert hat, denn eigentlich findet man sie nur nach langem Suchen, so ein Fachgeschäft, wo es noch Dinge gibt, die scheinens niemand mehr braucht, wie Postkarten, Stifte, Füller, Briefpapier,...denn wer schreibt heute noch von Hand?! Ich liebe es Karten zu verschicken und das leise Kratzen des Füllers auf dem Papier zuhören. Und wie groß ist doch die Freude bei uns allen, wenn mal ein Brief im Kasten liegt und es ist keine Rechnung!
    Hier in Winti gibt es noch viele kleine Läden in der Altstadt, z.B. Kurzwaren- und Stoff-Geschäfte, einen Gitarren-Bauer oder ein Geschäft, das nur Hochzeits-Schuhe führt (das nenne ich mal speziell).
    Danke für diesen Post, Du hast mir aus der Seele gesprochen!
    Ich wünsche den Angestellten ein schönes Weihnachtsfest und viel Glück bei der Stellensuche!
    Liebe Grüße, Ophelia

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  3. Leider schleißen viele kleine und auch viele Fachgeschäfte.Da denke ich gerne an meine Kindheit zurück wo es noch den Spielwarenladen gab und den Schreibwarenladen.Oder der Tante Emma Laden um die Ecke.Das waren noch Zeiten.Ich muss hier auf dem Land eh wie wild fahren,was mir fehlt ist ein Dorfladen.
    LG
    Nicole

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  4. im internet kaufe ich selten und wenn, dann ausgewählte dinge, aber dafür kauft mein sohn andauernd und alles mögliche. ich weiss gar nicht, ob der noch geschäfte kennt *grins. vielleicht sollten wir mal wieder einen stadtbummel gemeinsam machen. wir wohnen ja eher ländlich, da muss man für alles recht weit fahren. wer da mal die milch vergisst, hat richtig pech. schöne und besondere läden, die noch inhabergeführt sind, gibt es doch kaum noch. herzlich niki

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  5. Hallo Gretel,
    die Frontalreportage habe ich leider verpasst, muss mal sehen, ob ich sie übers Internet nochmal ansehen kann, denn ein früherer Klassenkamerad hat diese gedreht.
    Meine Mutter bekam letzte Woche gesagt, dass sie noch drei mal zur Arbeit kommen kann aber ab Januar dann nicht mehr, sie sei dann ja schon 65. ********(Schimpfwörter). Wenige Tage vor Weihnachten eine Sauerei und das Argument sowieso. Und alle Kollegen sind entsetzt, da sie als einzige immer einspringen konnte, flexibel und fleißig war. Ja, manchmal fragt man sich, wer seine Hausaufgaben nicht gemacht hat.
    Liebe Grüße Du Liebe von Petra

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  6. Huhu Gretel,
    da schreibst du was. Ja das Internet macht schon vieles kaputt. Aber mal ganz ehrlich, was gibt es schöneres als in einem Buchladen (Teeladen, usw.) zu stöbern, da kommt kein Internet mit. Schade, das es so ist, ich kann es nicht verstehen. Aber ich glaube ich bin eh in manchen Dingen etwas altmodisch. Manchmal ist mir alles zu schnelllebig und zu hektisch geworden.

    LG

    Barbara

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  7. Wir haben noch einen Schreibwarenladen...wie in alten Zeiten...ohne den wären wir ziemlich aufgeschmissen...Wir haben hier noch recht viele Lebensmittelläden und einen großen Baumarkt. Liegt es wirklich nur am Internet??? Ich glaube, dass so viele Läden schließen, hat auch damit zu tun, dass wir kein Geld mehr für Lebensmittel groß ausgeben möchten...billig, billiger, am billigsten...soll es möglichst sein...Viele können letztendlich durch diese Dumping Preise nicht mehr wirtschaftlich arbeiten...LG Lotta.

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  8. Nein liegt natürlich nicht n u r am Internet, unser Kaufverhalten, Missmanagement und überteuerte Laden- oder Grundstücksmieten leisten ihren Beitrag. Aber das Internet eben auch - immer mehr!

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  9. Hallo Gretel!
    Dein Blog finde ich sehr interessant und vielseitig.
    Toll auch Deine Link-Liste. Auf campact bin ich kürzlich erst aufmerksam gemacht worden.
    Du unterstützt sie? Ich weiß noch nicht so recht.
    Deinen aktuellen Post finde ich sehr wichtig.
    Gerade Missmanagement treibt viele in die Arbeitslosigkeit.
    Aber auch die anderen von Dir genannten Faktoren spielen da mit rein.
    Wir wohnen hier auf dem Lande und ich liebe es, in altmodische, kleine Geschäfte zu gehen, in denen man noch so richtig beraten wird. Wir haben hier ein Eisenwarengeschäft, in dem bisher jede meiner Fragen positiv beantwortet werden konnte. Schrecklich diese Ketten in den Innenstädten, man weiß gar nicht, ob man in Köln, Hamburg oder Frankfurt ist. Überall die gleichen Geschäfte.
    Aber nur die können sich die horrenden Mieten leisten.
    So stirbt langsam aber sicher die Vielfalt aus.
    Ein Hoch auf die Globalisierung :-(
    Ups, jetzt schreib ich mich in Rage.
    Noch einen freundlichen Gruß zum Schluss,
    Miriam

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  10. Ja die Grossunternehmen boomen und die kleinen haben leider im Konkurrenzkampf oft keine Chance mehr. Und das Internet, wo man sich die günstigsten Preise aussuchen kann, fördert natürlich dieses Konsumverhalten noch zusätzlich.
    Ich wünsche dir wundervolle Weihnachtstage und einen guten Rutsch ins 2014!
    Liebe Grüsse
    Sarah

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  11. Liebe Gretel....grrr jetzt hab ich grad ein bisschen ein schlechtes Gewissen - du weisst schon, ich habe doch vor etwa 2 Wochen zum ersten mal diesen LeShop Lebensmitteleinkauf im Internet gemacht. Ich war zwar begeistert von dem Service und vor allem froh, dass ich nach der langen Arbeitswoche nicht noch am Samstag mit den Kindern in die überfüllten Geschäfte gehen musste, sondern dass wir es uns daheim gemütlich machen und basteln konnten - aber wo du Recht hast hast du Recht! Ich bin ja auch so froh, dass wir noch einige lokale Geschäfte haben und die sollte man auch unbedingt unterstützen - also eigentlich machen wir das auch. Das war jetzt so kurz vor Weihnachten eine Ausnahme und wird bestimmt nicht regelmässig vorkommen. Danke für den Denkanstoss und ein schönes Wochenende euch!

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