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Dienstag, 23. Februar 2016

Der Kollos von Rügen




Prora.
Der Ortsteil zwischen Binz und Sassnitz.
Hier sollte auf 4,5 km Länge ein KdF-Komplex für 20.000 Menschen entstehen. Es wurde zwischen 1936 und 1939 erbaut, blieb aber unvollendet.
Nach dem Krieg sollte es eine stalinistische Großkaserne werden.
Nach der Wende übernahm die Bundeswehr den Komplex für zwei Jahre.
Seit 1993 ist die Anlage öffentlich zugänglich. Aber natürlich gab es auch schon vorher Schlupflöcher für Neugierige. Später konnte man ganz ungehemmt durch die Ruinen steigen.
Die Sicherheitseinzäunung ist noch gar nicht so lange in dieser Form vorhanden.



Gute Informationen  bekommt man hier:
Das  gesamte Objekt steht unter Denkmalschutz. Allerdings nur die Fassade. Das Innenleben und damit die Nutzungsgeschichte in zwei Diktaturen bleiben davon unberührt.
Genutzt wurden halbwegs erhaltene Gebäude als Museum und Dokumentationszentrum und als Jugendherberge.




 Das große Kind wird zu seiner Klassenabschlussfahrt im Juni hier zu Gast sein.


Dieser irrsinnige Bau sorgte allerdings dafür, dass die Natur drumherum und der Strand zum großen Teil sich selbst überlassen wurden. Niemals gab es wirklich eine Nutzung des gesamten Objekts. Nur deshalb konnte man solche Bilder, wie gestern hier gezeigt, aufnehmen und genießen. 

Auf jeden Fall ist Prora geschichtlich, politisch, architektonisch und mit seiner Natur einzigartig.

Aber das ist jetzt endgültig vorbei.
Wieder wird ein Stück ursprüngliche und besondere Landschaft unwiederbringlich geopfert.
Wir werden Menschenmassen sehen, Privatwege, gefällte Bäume, Müll, Lärm - all das, wovor doch eigentlich Rügenbesucher fliehen wollen.....Und nach so vielen Jahren werden die Fantasien der Planer tatsächlich noch so was wie wahr....





Ganz ehrlich - ich gönne jedem von Herzen seine Luxus-Butze. 
Aber an diesem Ort - unmöglich!
Das wird weder der Geschichte, noch der Zukunft gerecht.


Wer Interesse hat:

Und natürlich finanzieren ihr und ich den Bau noch mit unser aller Steuergelder:

Wie heißt es da so schön: Gutes tun wird belohnt. 
Und das meinen die gar nicht ironisch.






Aus der Welt: http://m.welt.de/geschichte/article151433504/Im-Ferienbad-der-Nazis-entstehen-Luxuswohnungen.html


Wikipedia sagt:

Verkäufe,  Neunutzung

Im November 2006 hat die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben mit dem Landkreis Rügen einen Kaufvertrag über Block 5 abgeschlossen. Der Landkreis Rügen beabsichtigte in Block 5 mit finanzieller Unterstützung von Bund, dem Land Mecklenburg-Vorpommern und der EU die Errichtung einer Jugendherberge mit ca. 400 Betten für das DJH. Ein internationaler Jugendzeltplatz mit 250 Plätzen ist seit September 2007 geöffnet.[24][25]Seit 2004 wurden weitere Blöcke der Anlage einzeln veräußert. Am 23. September 2004 wurde Block 6 für 625.000 Euro an einen unbekannten Ersteigerer veräußert. Block 3, die ehemalige Museumsmeile, wurde am 23. Februar 2005 an die Inselbogen GmbH verkauft, die in der Folgezeit den Betreibern der dort ansässigen Museen kündigte und eine Nutzung als Hotel- und Kulturbetrieb ankündigte. Im Oktober 2006 wurden die Blöcke 1 und 2 an die Prora Projektentwicklungs GmbH in Binz veräußert. Diese hatte Block 1 schon im Vorfeld an den österreichischen Investor Johann Christian Haas verkauft, der die finanziellen Mittel bereitstellte. Der Bebauungsplan wurde gemeinsam entwickelt. Die Pläne der neuen Eigentümer sahen in den beiden Blöcken südlich der jetzigen Museumsmeile vor allem Wohnungen vor. Für das Erdgeschoss war eine Mischung aus Kultur, Kunst, Gastronomie, Kleingewerbe und Einkaufsmöglichkeiten geplant. Nach Abschluss der Planungen und Erreichung der Planungssicherheit verkaufte Haas – Investor und Immobilienhändler – Block 1 erneut. Bei einer Auktion am 31. März 2012 wurde die Immobilie von einem Berliner Investor für 2,75 Millionen Euro erworben.
Im September 2010 wurden Planungen bekannt gegeben, nach denen eine deutsch-österreichische Investorengruppe ab 2011 die Blöcke I und II sanieren will. Vorgesehen ist der Bau von 400 teils altersgerechten Wohnungen, eines Hotels mit 300 Betten samt Tennishalle und Schwimmbad sowie eines kleinen Einkaufszentrums. Die Investitionskosten werden auf 100 Millionen Euro beziffert. Der Eigentümer von Block I – Johann Christian Haas – hatte zu keiner Zeit vor, selbst umzubauen. Im Jahr 2007 beabsichtigte die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, den verbliebenen Gebäudekomplex 4 sowie den Bereich des Zentrums von Prora auf den Markt zu bringen. Angesichts der positiven Entwicklung, die sich in den verkauften Bereichen abzeichnete, war die zuständige Hauptstelle Rostock optimistisch, auch für diesen Abschnitt einen Käufer mit einem wirtschaftlich tragfähigen Konzept zu finden. Am 15. März 2008 eröffnete auf dem 3,7 Hektar großen Küstenwald-Areal des Komplexes ein Hochseilgarten. Insgesamt wurden 460.000 Euro in den Bau der neuen Sportanlage investiert.
Im nördlichsten Teil des Komplexes (Block V) wurde in fünf aneinandergrenzenden Gebäudeteilen im Juli 2011 die schon lange geplante große Jugendherberge mit 402 Betten in 96 Zimmern eröffnet und im November 2011 wurde der letzte von fünf Blöcken durch die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben an einen privaten deutschen Investor verkauft.

Und es kann noch viel schlimmer kommen:

http://www.welt.de/finanzen/immobilien/article152222800/Investor-will-auf-Ruegen-einen-Super-Turm-bauen.html

Kommentare:

  1. Museum und Jugendherberge finde ich ok, denn sie bieten die Möglichkeit die Jugendlichen und anderen Besuchern zu sensibilisieren für die Natur, Politik und die Geschichte des monumentalen Bau`s.....aber die ganzen Ferienwohnungen.....bedenklich, denn mit der Ruhe und Einsamkeit wird es dann früher oder später vorbei sein, wie schade....An den Unrat, der womöglich dann auch noch überall am Strand verteilt rumliegt, wollen wir gar nicht denken.....Also, genieße die Spaziergänge jetzt noch in vollen Zügen, wer weiß, was kommt.
    Liebe Grüße, Ophelia

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  2. Ich finde das unmöglich...vor 5 oder 6 Jahren waren wir zu Ostern dort und alles noch ursprünglich, aber der Neubau bereits in Planung. Deine Fotos erschrecken mich sehr. An so einem Ort kann man sich doch nicht wirklich wohl fühlen...nie im Leben würde ich dort wohnen wollen. Nicht gekauft und nicht zur Miete und auch nicht im Hotel. Im Museum sind wir gewesen. Das Gebäude war ein Mahnmal seiner Zeit, der den Größenwahn aus der Hitlerzeit eindrucksvoll gezeigt hat.
    LG Sigrun

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  3. Liebe Gretel,
    ich bin immer ganz nah bei dir - aber heute bin ich etwas anderer Meinung.
    Dieses Monsterdingens ist so gewaltig, das es einen als Wanderer erschlagen hat, bis man dran vorbei ist.
    Vielleicht ist eine gewagte Mischung aus Mahnen, Wohnen, Informieren, nicht die schlechteste aller Ideen.
    Ich fand es auch unmöglich die Frauenkirche wieder hübsch zu machen - und nun - gut ist es wie es ist, sie kann trotzdem weiter mahnen - obwohl - vielleicht ist sie dafür sogar zu hübsch geworden ...
    Morgen wieder ganz bei dir - bestimmt - Monika

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    1. Ich glaube, wenn man vielleicht einen Block für die Jugendherberge, ein Block für das Museum, ein Block für das Dokumentationszentrum und einen für ein schickes Hotel genutzt hätte, wäre es für mich in Ordnung gewesen.
      Aber das man nun - der ursprünglichen Idee folgend - tatsächlich wieder Massenunterkünfte schafft, das kann ich für mich nicht akzeptieren. Es wird ein Reichen-Ghetto auf Kosten der Natur. Und wir haben - als recht bevölkerungsreiches Land - ja nicht so viel Natur übrig, am Meer schon gar nicht.
      Und wenn ich am Strand gelaufen bin, war das Monster umringt von Kiefern und ich hab es gar nicht gesehen :-)
      Liebe Grüße

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  4. Ich kann deine Wut und Trauer sehr gut verstehen...Ich sehe das Problem letztendlich im "Denkmalschutz"...was soll man denn machen mit solchen Kolossen...im Sinne von "objektiv finanziell machbar"? Ein schwieriges Thema...ich möchte nicht wirklich mit denen tauschen, die das mit entscheiden müssen...LG Lotta.

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    1. Einzäunen und sich selbst überlassen, zusehen, wie sich die Naur den Raum erobert und diese Bauten verfallen, wäre auch nicht teuerer als die Abschreibung für den Staat.....

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  5. Es muss ewig her sein, dass ich in Prora war. Ich kann mich aber kaum mehr erinnern. Vielleicht fand ich die ganze Anlage so häßlich, dass ich sie einfach aus dem Gedächtnis gelöscht habe. Nur an das Experimentarium kann ich mich erinnern. Das war ein ganz feiner Spielplatz.
    Dass man nun jeden Quadratzentimeter unberührten Strand für den Touristenrummel fit macht, finde ich furchtbar.
    Lieben Gruß
    Katala

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  6. turbokapitalismus. natur pur bringt keine rendite.
    genausowenig wie nachhaltiges wirtschaften. aber es ist unsere einzige chance. ich sehe auf deinem blog viel engagement - möge es kreise ziehen! grosse wenn´s geht! :-)
    grüsse aus der sächsischen schweiz! xxxx

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  7. ich bin zufällig bei deinem beitrag hier gelandet, weil ich die ostsee und rügen so mag. ich habe mich durch einige deiner links geklickt und als ich bei "neues prora" las, was sich "die gäste wünschen" (beachbar, "wellness", pool etc.) ist mir echt schlecht geworden. warum fährt man dann bloß an die ostsee? da wär ich auch eher fürs verrotten lassen - absperren und noch mehr bäume drumherum pflanzen, damit man diese monsterbauten einfach nicht mehr sehen muss. auf dem priwall, gegenüber travemünde passiert übrigens zur zeit ähnliches...
    liebe grüße von mano


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  8. Ein interessanter Blog!
    Ich lade Dich ein zu:
    http://disipi.blogspot.de/
    ♥lich Pippa

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