Freundschaft, Philosophie oder das Leben ist kein Ponyhof

Manchmal wird man ja so neben dem ganzen Alltagskram zum Nachdenken über den Sinn des bzw. meines Lebens angeregt.

Früher hatte man paar eine Flasche Rotwein auf dem Tisch und Freunde auf dem Sofa lungern und konnte über die spannendsten Theorien und Lebensphilosophien quatschen. Raum und Zeit spielten keine Rolle.

Am schönsten waren solche Gespräche mit meiner besten Freundin.
Wir haben uns in der Schule kennengelernt und waren dann für mehr als 20 Jahre im Herzen unzertrennlich. Ich bin in der Zeit 10 x quer durch Deutschland umgezogen. Jobs, Wohnungen, Bekanntschaften und Beziehungen wechselten, aber unsere Verbundenheit blieb. Egal, ob wir gerade 800 km auseinander wohnten, in einer festen Beziehung oder Single waren oder später dann Mutter wurden. Wir schrieben uns seitenlange Briefe oder telefonierten Stunden miteinander, die allerschönsten Postkarten wanderten hin und her. Regelmäßig besuchten wir uns. Kein Stoff war tabu. Liebeskummer, dämliche Chefs, was will ich anfangen mit meinem Leben, Denkanstöße, Gott und die Welt, Literatur, Politik oder einfach nur ne neue Klamotte, Wohnungseinrichtung, ein blöder Witz - alles war bei uns ein Thema. Wir waren oftmals wie seelenverwandt, manchmal völlig verschiedener Meinung und wir haben irre viel gelacht miteinander, manchmal bis uns die Luft wegblieb.

Für ein halbes Jahr gewährte sie mir in ihrer Bude Asyl, weil ich Hals über Kopf eine neue Bleibe brauchte. Ihre Schwangerschaft war so spannend für mich, auch weil ich selbst zu dieser Zeit noch überhaupt nicht an eigene Kinder dachte. Ich habe diese Freundschaft immer als ein großes Geschenk betrachtet und ich habe auch nie wieder eine andere Person gefunden, die auch nur annähernd so einen Platz bei mir einnehmen konnte.

Und dann, als ich wieder hierher zog und wir uns auch endlich räumlich nahe sein konnten, war plötzlich Funkstille. Ich kann nicht sagen warum wieso weshalb. Es gab keinen Auslöser. Sie wirkte gestresst. Aber sie teilte ihre Probleme nicht mehr mit mir. Anrufe blieben aus, auf Post von mir kam keine Antwort. Irgendwie hatte ich das Gefühl, das WIR war ihr nicht mehr so wichtig. Aber vielleicht habe ich ein Signal nicht erkannt.

Der Mann hatte sie heimlich zu meinem 40.sten angerufen, aber es gab keine Reaktion.
Ostern 2008 haben wir uns zum letzte Mal gesehen. 5 Jahre! Ich habe das bis heute nicht verarbeitet.

Anke, du fehlst mir!




Kommentare

  1. Das ist hart,das glaube ich dir gerne.Ich habe bei mir gemerkt das sich Freundschaften ändern,Leute kommen und gehen.Und seid dem ich Pflegekinder habe gibt es sehr wenige Freunde.Meine allterbeste Freundin wohn 320 km weiter weg in NRW wo wir auch bis vor 10 J.lebten.Wir haben alles gemeinsam gemacht,zusammen gearbeitet,im gleichen Jahr geheiratet,sogar die Kinder gleich bekommen.Als wir wegzogen kam sie mich noch ein paar mal besuchen,aber ihr stinkte das Landleben.Dann bekamen wir ein Pflegekind und sie meinte was tust du dir damit an.Dabei ist es geblieben.Schade! Heute ist es so das ich ein Einzelgänger geworden bin.Hast du deiner Freundin Anke schon mal gesagt das du sie vermisst ?
    LG
    Nicole

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  2. schade, dass deine freundin diese liebeserklärung nicht liest...vielleicht wäre dann alles wieder anders. herzlich niki

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  3. Ich kann dich sehr gut verstehen! Vor allem, wenn offensichtlich so gar nichts vorgefallen ist. Ich habe einer Freundin in so einer Situation mal geschrieben, wie es mir geht und wir haben wieder Kontakt.
    Liebe Grüße! Sonja

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  4. So was ist schade. Wenn Du sie so sehr vermisst, frag sie mal ob Du ihr etwas getan hast, wenn dann immer noch keine Antwort kommt, würde ich vermutlich es für immer sein lassen.

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  5. Hallo liebe Gretel,

    oh ja das kenne ich, mir ging es genauso mit meiner Cousine. Wir waren Kopf und Popo, soviel haben wir gemeinsam erlebt und dann auf einmal, verschwand sie aus meinem Leben, jeder versuch Kontakt aufzunehmen schlug fehl. Ich habe sie jahrelang sehr vermisst, mit der Zeit lernte ich damit umzugehen, aber es ist trotzdem schade. Ihr Lachen, ihre Art und einfach alles fehlt.
    Ich kann dich gut verstehn.
    Lg

    Barbara

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  6. Liebe Gretel, was Du beschreibst ist echt hart. Wenn man so eng miteinander war, so ein harter Schnitt, das ist ungewöhnlich. Ich habe sowas ähnliches schon von anderen gehört und deswegen würde ich sagen, es wird wohl nichts mir Dir zu tun haben, könnte aber evtl. mit persönlichen Problemen Deiner Freundin zu tun haben. Ich habe die Erfahrung gemacht, das sich manche Leute da extrem zurückziehen, gerade von denen, die einem nahe sind. Das kann vielfältige Gründe haben, die kann man hier schlecht erörtern.
    Wenn Du Dich traust, schreib ihr doch mal und erzähle ihr, wie es Dir geht. Wenn sie offen für einen Neustart ist, wird sie sich melden.

    Liebe Grüße
    Karoline

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  7. Oh-je, das klingt richtig traurig!

    Wenn Du sie doch eigentlich so lieb hast... warum fährst Du nicht einfach mal hin und fragst sie direkt, während Du ihr dabei in die Augen siehst, was eigentlich los ist?
    Kann doch nur ein ganz furchtbares Missverständnis vorliegen, nach allem, was Du so erzählst über Euch beide...

    Ich drücke die Daumen, dass Ihr wieder zueinander findet.

    Papagena

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  8. Ach liebe Gretel, dass tut mir so leid! Auch bei mir und meiner Freundin herrschte eine Zeit Funkstille. Ich hatte mehrere Angebote gemacht, aber nichts kam...Schließlich habe ich es aufgegeben...und dann kam kurze Zeit später ein ellenlanger Brief von ihr...Allerdings muss ich sagen, wenn deine Freundin zum 40. Geburtstag keine Reaktion gezeigt hat, finde ich das sehr heftig...Wir alle verändern uns im Laufe des Lebens...durch die Lebensumstände, den Partner...manchmal durch Alkohol...oder eine psychische Erkrankung...wer weiß...LG Lotta.

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  9. Liebe Gretel, ich finde es mutig, das du deine Traurigkeit hier zum Ausdruck bringst und an den verständnisvollen Reaktionen kannst du ablesen, das andere es gut nachempfinden können. Ich hatte so eine Kindheitsvertraute, ohne unsere Schuld haben wir uns auseinander gelebt, ihre Mutter hatte es hintertreiben, aber sie hat mir sehr lange gefehlt. bei andren lieben Freundinnen weiß ich, wir denken viel aneinander, aber finden jede in ihrem Trubel nicht die Zeit, um uns zu melden, doch wenn wir uns dann "haben" ist es wieder wie immer.
    Ich wünsche dir, dass du eine Klärung finden kannst. Nicht zu wissen, warum es so ist, wie es ist, ist keine Lösung.
    liebe Grüße, JULE

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  10. Liebe Gretel,
    wie mutig von Dir das aufzuschreiben. Ich wünsche Dir von Herzen, dass Anke das liest und Ihr Euch vielleicht wieder annähern könnt.
    Wie tief Dein Schmerz ist kann ich so gut nachfühlen. Ich habe das auch schon einmal erlebt und irgendwo sticht es noch immer in mir.
    Ich schicke Dir eine Portion Kraft in Gedanken.
    Liebe Grüße Kirsten

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  11. Du Liebe!

    Manchmal müssen solche Gedanken mal aufs Papier gebracht werden. Auch auf das virtuelle Papier. Wie wichtig und tief Freundschaft sein kann, gell!? Und somit auch verdammt verletzend. Im Unwissenden gelassen zu werden ist unerträglich. Für mich jedenfalls. Man hat gar keine Möglichkeit irgendwas zu verarbeiten, wenn man den Grund nicht weiß... Ich hoffe für dich, dass sich die Situation bald auflöst und ihr doch endlich ins Gespräch kommt!

    Liebe Grüße
    Tanja

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  12. Ach bin ich froh, dass ich das mal aufgeschrieben habe.. und ihr muntert mich so auf mit euren lieben Kommentaren - irgendwie seid ihr alle ein bisschen Anke. Ich fühl mich wohl hier. glg

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  13. Bin zum ersten Mal auf deinem Blog gelandet - und habe Gänsehaut.
    Ich kenne in abgewandelter Form deine Geschichte.
    Das Schlimmste war das überhaupt gar nicht Reagieren, auf egal was. Das einen ins Leere laufende.

    Dir wünsche ich alles Gute, viele dir freundschaftlich gesonnene Menschen um dich herum und auch wieder eine beste Freundin.
    Tally

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  14. Jetzt komm ich endlich mal zum schreiben... (bin ja soooo busy mit stillen, kuscheln und schlafen, hehe :D).

    Deine Worte haben mich sehr berührt und traurig gemacht, denn du hast etwas erlebt, vor dem ich mich ein bisschen fürchte. Meine besten Freundinnen wohnen 350 km weit weg in meiner Heimat und man weiß ja nie wie die Distanz das alles verändert. Bisher schlagen wir uns alle tapfer aber verschieden Lebenssituationen tragen auch nicht unbedingt zum einfachen Fortgang einer Freundschaft bei.

    Dennoch bin ich der Meinung, dass deine Freundin doch einen Grund für ihren Rückzug haben muss. Warum sollte man eine Freundschaft, die schon solche Höhen und Tiefen überwunden hat, denn einfach beenden? Ruf deine Freundin doch einfach mal an oder schick ihr diese Worte als Brief. Vielleicht liegt det ganzen Sache ja auch nur ein Irrtum zugrunde?

    Ich drück dir die Daumen, dass es vielleicht doch wieder was wird. :)

    Lg
    Isa

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