Liebesbrief



Liebes Gymnasium,

du warst (trotz winziger Anlaufschwierigkeiten) das Beste, was uns passieren konnte.
Du und ich – wir haben gemeinsam zum großen Teil aus dem Kind einen Menschen gemacht – es ist uns ganz gut gelungen, finde ich.

Vielleicht bist du – als sogenanntes „Wald- und Wiesengymnasium“ ohne spezielles Profil - nicht die erste Schul-Wahl für Eltern, die sich kleine Eliten züchten möchten. Aber wenn man seinem Sprössling eine schöne Schulzeit wünscht, bist du fast perfekt.

Den Unterrichtsausfall in der Oberstufe konnte man beruhigt vernachlässigen. Deine Personalplanung fand ich – bei den gegebenen Umständen – ziemlich ausgefeilt.

Neben dem Lehrplan hast du dafür gesorgt, dass es Kindern möglich ist, über den Tellerrand zu schauen und sich tatsächlich zu bilden, auch außerhalb des Unterrichts.

Die Möglichkeiten des Schüleraustausches mit Frankreich, Russland, Italien und Indien, die Reisen nach England, gemeinsames Segeln auf dem Ijsselmeer – das nenne ich Horizonterweiterung.

Weit über 20 GTAs (Ganztagesangebote/AGs), von Sport über Kunst bis Architektur oder Medien, stellst du zur Verfügung – da ist für jeden Geschmack etwas dabei.
Bibliothek, Weihnachtsvolleyballturnier, Frühlingsgala, Toleranztag, Skilager, Klassenfahrten, Hoffeste, betreuter Schulclub, Läufe für den guten Zweck  – so oft sind mir überdurchschnittlich engagierte Lehrer und Helfer begegnet, deren Herz tatsächlich für ihre Schüler schlägt. Und auch eine Menge lässige Lehrer habe ich gesehen, die meiner persönlichen Einstellung zum Umgang mit Kindern und Jugendlichen ziemlich nahe kamen und die einfach Vertrauen in die Kinder setzten.

Und dann noch dieses wunderschöne Gebäude an sich. Schon vor der Renovierung versprühte es einen ganz eigenen Charme, danach glänzt es geradezu (ja, gibt auch paar Baumängel, aber was ist schon perfekt).

Nun wäre das Ziel verfehlt, wenn nur ich von dir begeistert wäre.
Aber du hast das Wichtigste geschafft. Das große Kind ist gerne zur Schule gegangen, hat von der 5. bis zur 12. immer an GTAs teilgenommen, im Schülerrat, Abiballkomitee, Schulballorganisationsteam mitgemischt.

Letztlich warst du und dein Personal so ein Vorbild, dass dein nun „Ex-Schüler“ sogar ein Lehramtsstudium erwägt und danach gerne wieder zu dir zurückkehren würde.

Ich werde in der nächsten Zeit mit Wehmut an dir vorbeifahren.

Danke für alles! War eine prima Zeit.



Bei dem ganzen Schulbashing tut's auch mal ein Liebesbrief!




Kommentare

  1. Ach, was für süße Kinderbilder!- die Lehrer wird's freuen, was du schreibst, das sei ihnen gegönnt. Ich hätte damals nie einen solchen Brief über mein Gymnasium schreiben können, weiß aber nach fast 50 Jahren, was es mir gebracht hat ( und das waren keinesfalls immer die Lieblingslehrerinnen ). Es relativiert sich so viel im Leben.
    Dem jungen Mann alles Gute für seinen weiteren Lebensweg!
    Astrid

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  2. Sehr wohltuend, dein Liebesbrief. Leider steht und fällt ja so manches mit dem "Führungspersonal", aber das ist ja nicht nur in der Schule so...;-) Liebe Grüße und dem jungen Mann alles Gute für die Zukunft!

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  3. Was für ein herrrlicher Brief...... Bei uns dauert das alles noch ein bisschen, denn mein Sohnemann geht erst in die 3., aber nächstes Jahr haben wir auch die Qual der Wahl. Ich will nicht behaupten, dass das bei mir nicht heute schon für ein leichtes Bauchkrummeln sorgt. Deshalb freue ich mich, dass Ihr anscheinend so eine tolle Wahl getroffen habt.

    Liebe Grüße,
    Pamy

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  4. Liebe Gretel,
    dein Post ist eine Wohltat :-)
    Danke!
    Für uns beginnt im September diese neue Zeit - ich hoffe ohne Anlaufschwierigkeiten,
    aber wenn, dann weiß ich ja, dass sich das entwickeln muss.
    Ganz liebe Grüße und alles Gute für deinen Großen!
    Melanie

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  5. Was für ein netter Dankesbrief! Ich wünschte es der Schule, dass er bewusst wahrgenommen wird. Es ist doch toll, mit so einem Gefühl die Schule zu verlassen, bzw. sich als Eltern von der Schule zu verabschieden. Ich habe damals geschworen, mein Gymnasium nach dem Abi nie mehr zu betreten, was auch bislang nicht getan habe. Die frühere Schule meiner Kinder würde ich heute nicht weiterempfehlen. Also, ihr hattet richtig Glück.
    Ich wünsche dem jungen Abiturienten alles Gute für den weiteren Weg!
    Liebe Grüße
    Andrea

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