Mein Auto und ich - Astrids Monatsthema



In Astrids Monatsthema für Juni geht es um unser Verhältnis zum Auto.
Mein erstes Auto besaß ich schon, bevor ich einen Führerschein hatte. Den machte ich nämlich erst Mitte der Neunziger.

Aus heutiger Sicht eine kleine Jugendsünde, vielleicht geschuldet auch dem Hunger auf Leben in der Nachwendezeit, viel zu teuer eingekauft – aber auch unvergesslich.
Es war ein schwarzer Honda CRX, tiefergelegt, Breitreifen und den gesamten Kofferraum nahm eine riesige Bassbox ein. Mein damaliger Freund kutschierte uns damit herum.
Es blieb das erste und einzige Auto nach dem Lustprinzip, danach folgte nur noch Vernunft.

Zum Beispiel in Form eines furchtbar hässlichen gebrauchten grauen Daihatsu.
Aber er bot genügend Platz, um viele kleine Kurztrips durch Deutschland zu machen und gleich drinnen zu übernachten. So erkundete ich damit das neue Gesamtdeutschland. Ich erinnere mich gut an Fahrten durch die Alpen und an den Bodensee. Irgendwann wollte er keinen Laut mehr von sich geben, bewegte er sich nicht mehr und ich ließ ihn aus der Tiefgarage meiner Arbeitsstelle abschleppen und verschrotten.

Zwischenzeitlich durfte ich einen 20 Jahre alten goldenen 911er Porsche steuern, weil ein Kumpel von mir für ein halbes Jahr seinen Führerschein abgeben musste. Das war ganz sicher das unbequemste Auto, mit dem ich jemals gefahren bin. Aber er brachte mich in Rekordzeit zu einem ersten Trip nach Hamburg und St. Peter Ording.

Angekommen in Beruf und Leben kaufte ich mir einen Jahreswagen der letzte Baureihe des Ford Escort Turnier, bevor der Focus erschien. Das Auto wird wohl für immer meine größte Autoliebe bleiben. Es hat mich einfach durch die wichtigsten Stationen meines Lebens gebracht. Und zwar immer unfallfrei und auch fast reparaturfrei. Von wegen Ford fahren, Heim laufen… Zahlreiche Umzüge, die Geburt meiner Kinder, Urlaube – das gefühlt halbe Leben hat in und mit diesem Auto stattgefunden. Die Abwrackprämie hat es mir damals ein wenig leichter gemacht, mich von der nun 11jährigen Karre zu trennen, aber nicht ohne großen Abschiedsschmerz und Tränen.



Darüber konnte mich auch der zum ersten Mal fabrikneue rote Dacia nicht gleich trösten. Den fahre ich heute noch und er wird mir ein treuer Begleiter bleiben, bis er sein Autoleben aushaucht. Bei dieser Marke werde ich dann auch bleiben. Das Preis-/Leistungsverhältnis geht einfach nicht besser.


Das Auto gehört bei mir zur Familie. Ich habe ein sehr inniges Verhältnis zu meinem Wagen, mein Herz hängt daran. Neben dem Verrichten aller Alltagsverpflichtungen bedeutet es für mich Freiheit. Einsteigen, wegfahren – egal wohin, sofort und von allem, was mich nervt – zumindest im Hinterkopf immer eine Option. Manchmal tuts auch nur eine Runde um den Block um sich abzureagieren. Und so sieht das auch im Innenraum bei mir aus. Eigentlich könnte ich fast einziehen. Es gibt Decken und Kissen, einen Korb mit Besteck, Toilettenpapier, Regencape, Taschenmesser, Taschenlampe, unzählige CDs. Ich dekoriere mein Auto mit Pompomketten, Fellen und Glücksbringern.


Der Kofferraum bleibt fast ausschließlich dem Hund vorbehalten. Es sieht immer schmutzig aus und von außen wäscht es nur der Regen. Dafür sind bei fast jedem Wetter die Fenster offen und es dröhnt Musik bis zur Oberpeinlichkeit.
Niemals könnte ich mir mein Auto mit jemandem teilen.



Vielen Dank Astrid für die kleine Erinnerungstour durch mein Leben.



Keine Werbung, ganz privater Alltag!



Kommentare

  1. Unglaublich amüsiert hat mich dein Beitrag, da du so offen deine Liebe zum Auto beschreibst - und ich kann es richtig nachvollziehen! Heute morgen erst einmal mit gerümpfter Nase den Bericht über Saudi-Arabien und die Frauen, die nun Auto fahren dürfen, gelesen. Aber im Verlaufe der Lektüre gabs den Flashback: Welche Unabhängigkeit! Und da spürte ich meine Freude von damals wieder, Freude über die gewonnene Freiheit, ohne andere überall hinzukommen. Und genau das beschreibst du ja auch und hast du gelebt. Und das Auto ist da eben das wichtigste Vehikel gewesen. ( Einen Porsche hätte ich auch gerne mal gefahren und noch so ein paar unsinnige Wagen. ) Auch zum Stressabbau ( Krach mit dem Herrn K.z.B. ) bin ich immer mal gefahren...
    Nur auf meine alten Tage hat sich das alles geändert. Da ist mir das alles eher zur Last geworden, und ich fühle mich doch befreit, seit der Nachbar in meiner Garage eine Fahrradwerkstatt eingerichtet hat....
    Vielen Dank fürs Mitmachen! Auch das nächste Thema dürfte eines für dich sein.
    Alles Liebe!
    Astrid

    AntwortenLöschen
  2. hach
    wie toll geschrieben ;)
    ja.. fahr mit dem Ford weg und komm mit dem Zug heim ..
    so hieß es auch bei uns..
    aber wir hatten damals einen 20 m und einen 17 m und keine Probleme
    bu bist dann ja wirklich wohnlich in deinem Auto eingerichtet ..
    ein Auto zum drin schlafen ..
    davon träum ich eigentlich auch ..einfach losfahren und irgendo bleiben und weiter fahren

    toller Beitrag

    liebe Grüße
    Rosi

    AntwortenLöschen
  3. Das war spannend zu lesen. Deine Deko-Leidenschaft scheint also offensichtlich selbst vor dem Auto nicht halt zu machen...;-). Unserem ersten Auto habe ich eine Rose hineingelegt, als wir es zum Verschrotten gebracht haben...alle Autos danach hingen mir dann nicht mehr so am Herzen...Hauptsache, sie brachten mich unbeschadet von A nach B...;-)
    Ein schönes Wochenende! Liebe Grüße.

    AntwortenLöschen
  4. Dein aktuelles Auto ist ja ganz interessant und gemütlich eingerichtet...dann bringt dir jetzt also Ganesha Glück...;-)
    Bei uns gibt es schon immer nur ein Famiien-Auto und der letzte war auch ein ganz zuverlässiger Ford.
    LG Sigrun

    AntwortenLöschen

Kommentar veröffentlichen

Mit der Nutzung dieses Kommentarformulars wird vom Nutzer bestätigt, dass er mit der Speicherung und Verarbeitung seiner Daten einverstanden ist, und dass ihm die Datenschutzerklärung dieser Seite bekannt ist und er dieser zustimmt.
Für die Kommentarfunktion auf dieser Seite werden neben dem Kommentar auch Angaben zum Zeitpunkt der Erstellung des Kommentars, die E-Mail-Adresse und der Nutzername gespeichert.
Die Kommentarfunktion von Google speichert die IP-Adressen der Nutzer, die Kommentare verfassen. Das hilft auch, um im Falle von Rechtsverletzungen wie Beleidigungen oder Propaganda gegen den Verfasser vorgehen zu können.
Übrigens kann hier jeder auch anonym kommentieren.