Winter(alb)träume



„Schatz, mach doch schon mal die Standheizung an!“
Wir haben heute keine Termine.
Ich schlüpfe in meine  schicken  Snowboots.
Der Mann holt derweil unseren SUV mit Allradantrieb aus der Garage.
Hach, ich freu mich auf unseren Ausflug in die bezaubernde Glitzer-Stille im weißen Schnee….
Winter ist soooo wundervoll.

Brrr  Brrr  Brrr  Brrr

Der Wecker! Schöner Traum. Wo bin ich….
Ach ja. Seit Tagen klingelt der Wecker schon eine viertel Stunde eher als sonst.
Ich schaue aus dem Fenster, natürlich hat es wieder neu geschneit.
Vor dem Haus auf der Straße steht mein eingeschneiter Kleinwagen.
Und Schatzi ist gar nicht da, sondern dienstlich unterwegs.

Beeilen ist angesagt beim Frühstück machen. Die Kinder sitzen am Tisch und essen.
Derweil begebe ich mich, eingemummelt in warme Sachen, hinaus in Dunkelheit und Kälte.
Mit dem Besen kehre ich grob den frischen Schnee vom Auto, dann folgt das Abkratzen der Eisschichten. Die beiden Hintertüren sind eingefroren und lassen sich nicht öffnen. Ich krieche vom Beifahrersitz nach hinten und versuche von innen wenigstens eine Tür zu öffnen, in dem ich mit aller Kraft gegendrücke. Es klappt. Auf die Heizung im Auto kann ich nicht bauen, die wird erst nach 10 Minuten ansatzweise warm. Meine Hände sind steifgefroren.

Schnell gehe ich wieder rein und mahne das große Kind nochmals zur Eile. Dem kleinen Kind ziehe ich einfach einen Schneeanzug über den Schlafanzug, sieht ja keiner. Halbwegs pünktlich verlassen wir das Haus.

Geräumt wird in unserer Straße nicht, auch nicht in der Straße, in der die Schule steht. Zwischen den Autos türmen sich die Schneemassen, die täglich von den Autos gekehrt werden. Ich versuche möglichst so auszuparken, dass ich nicht darin steckenbleibe. Mit 20 km/h schleiche ich auf der schneebedeckten Straße. Ich weiß, fahre ich schneller und muss bremsen, werde ich auf der drunter liegenden Eisschicht hilflos mit dem Auto schlittern. Mir doch egal, ob die bei jedem Wetter rasenden BMW-Fahrer mich als wandelndes Verkehrshindernis verfluchen. What the fuck is xDrive!

Die Straße vor der Schule ist mittlerweile nur noch einspurig befahrbar. Irgendwo finde ich eine kleine Lücke im Schnee. In dem Moment, als ich einlenke, weiß ich schon, hier komme ich nicht wieder raus. Das große Kind steigt aus. Ich bekomme einen Kloß im Hals und merke, dass ich mich anschicke, gleich wieder loszuheulen – vor Wut. Langsam versuche ich anzufahren. Keine Chance. Ich fluche. Das kleine Kind schaut mich ängstlich an. Wir stecken fest.
Zum Glück kommt eine Gruppe älterer Schüler und sie helfen und schieben mich aus der Lücke.
Was bin ich froh.
Als ich letzte Woche feststeckte, war weit und breit kein Mensch zu sehen und ich habe eine halbe Stunde krampfhaft versucht, mit den Händen den Schnee vor den Rädern zu entfernen und hin und her manövriert.

Wir kommen zu Hause an. Ich schäle das kleine Kind aus dem Schneeanzug und mach mir einen warmen Kaffee. Glücklicherweise brauche ich zu keinem festen Zeitpunkt im Büro sein und es reicht, wenn das kleine Kind bis 9.00 Uhr im Kindergarten ist. Also lassen wir es jetzt ruhiger angehen. Zum Kindergarten werden wir laufen, vielleicht mit dem Schlitten…..

So oder so ähnlich passiert in 2011 oder 2012 oder 2013.

Mit dem Winter ist es eben so, wie mit allen anderen Dingen des Lebens – ambivalent.

In Dresden gibt es eigentlich jeden Winter Schnee, mal mehr, mal weniger. Gehört ja auch irgendwie dazu.
Inzwischen hat sich die Gesamtsituation deutlich entspannt, weil die Kinder älter sind.
Das große Kind kommt noch ab und zu mal zurück und bittet mich, ihn mal "schnell" in die Schule zu fahren, weil der Bus ausgefallen ist. Das kleine Kind könnte zur Not auch zur Schule laufen, wenn nichts mehr geht. Die Welt geht auch nicht unter, wenn man mal zu spät ist.



Die Bilder sind am Montagmorgen entstanden. Der Schnee ist schön weich und lässt sich gut vom Auto fegen. Ätzend wird es erst, wenn es eisige Temperaturen gibt und alles zentimeterdick festgefroren ist. Wir erwarten kräftige Minusgrade und noch mehr Schnee. Die Verkehrsnachrichten heute Morgen im Radio wollten gar nicht enden....

Das große Kind hat den Schneemann am Sonntagabend, gegen 22.30 Uhr gebaut. Die Jugend hat eben einen anderen Rhythmus.....

Der Nachwuchs freut sich heftig und ehrlich über das Winter-Wetter!
Ich genieße es dann am Wochenende.
Unbestritten ein schöner Anblick.








Kommentare

  1. Der Winter kann herrlich sein, wenn das Wetter mitspielt ;-)
    Schnee und dann Sonnenschein und blauer Himmel, das mag ich, wunderbar! Aber wenn es zwischendurch taut und dann später wieder friert, dazu noch eine Schneeschicht fällt und man das tückische Eis nicht sieht, was sich unter der weißen Pracht verbirgt, nee, das mag ich dann nicht!
    Der Winterdienst ist hier super, selbst die Nebenstraßen werden hier zügig geräumt, die Busse kommen manchmal mit etwas Verspätung, aber da sie eh alle 5 Minuten fahren ist das egal, irgendeiner kommt schon....
    Das große Chaos ist in diesem Winter (bisher) ausgeblieben, aber das kann natürlich noch kommen.....
    Euer Garten sieht zauberhaft aus!
    Nun wünsche ich Dir noch einen schönen Tag, vielleicht hast Du ja Zeit für einen entspannten Spaziergang durch die Winter-Wunderwelt.
    LG, Ophelia

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  2. Ach, meine liebe Gretel...ich habe gerade Tränen gelacht...Küsschen. Liebe Grüße, Lotta.

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  3. Ein super Post, der einen schon am Morgen zum Lachen bringt :)
    Hier schneit es auch schon seit zwei Wochen fast jeden Tag, aber hier auf dem Land muss man wenigstens nicht mit großen Schneehaufen kämpfen, weil genug Platz ist. Und der Winterdienst ist auch (noch) sehr fleißig.
    LG, Varis

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  4. Liebe Gretel, was Du hier beschreibst, ist genau das, was meinen ganz persönlichen Winterhorror ausmacht: sich festfahren, nicht mehr wegkommen, nicht aus der Parklücke kommen.. Winter ist schon was Schönes, lustigerweise mochte ich den eben aus diesen Gründen nie wirklich, aber seit Indien genieße ich auch jetzt immer noch diese kalte, klare Luft, weil noch immer diese stickig-warme Atmosphäre aus Indien in mir nachwirkt.
    Insofern bin ich echt auch sehr, sehr dankbar über diese Home Office-Lösung, wonach ich nur 2 x 2 Tage im Monat im Büro in L arbeiten muss (und dort ist es seit 2- 3 Jahren deutlich weniger als hier oder bei Euch), aber würde ich hier in M arbeiten, bräuchte ich - je nach Job - vielleicht nur noch die U-Bahn - dann wäre es natürlich vom Allerfeinsten ;)

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  5. Örgs. Ja. Winter.
    Mein Auto wohnt zum Glück mittlerweile in einem Carport, das ist echt Luxus. Nur, wenn es während der Schulstunden schneit, muss ich es anschießend frei fegen, aber das ist ja zum Glück hier überaus selten. Vor einigen Jahren mal vorgekommen.
    Was ich echt ätzend finde, ist Blitzeis. Schlittschuhfahren auf der Straße. Braucht kein Mensch.
    Das kommt dummerweise hier häufiger vor als Schnee. Aber mittlerweile denke ich mir "Sicherheit geht vor" und bleibe einfach da, wo ich bin, bis jemand dem Eis mit Streugut zu Leibe gerückt ist. Und ja - bei solchen Witterungsverhältnissen ist zu-spät-kommen wirklich nicht schlimm. Sicherheit geht vor, definitiv.

    Aber es sieht schön aus mit so Schnee. Keine Frage. Auf Bildern gucke ich mir das wirklich sehr gerne an. ;-)

    Schneearme Grüße vom
    LandEi

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  6. :-)
    die letzten Jahre hatte ich immer das Problem, dass die Fahrertür, wenn sie einmal auf war, nicht wieder zu hielt bis der Wagen warm war... und im letzten Jahr, 6:00 morgens bei minus 18 Grad an der Tankstelle musste ich hupen, weil von innen keine! Tür mehr aufging. Und das mit einem fetten Volvo, ha! Da holt man sich nen Schweden und dann sowas, aber mit Allrad bin ich wenigstens nie stecken geblieben, Du Arme, uahh! Jetzt fahr ich einen kleineren Asiaten, mal sehen, bis jetzt klappt alles und die Kinder freuen sich über Popoheizung *lach*
    Liebe Grüße und komm gut durch den Winter - schick uns ruhig was Schnee in den Taunus, hier unten im Dorf liegt uns zu wenig :-)

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  7. ...wie gut ich das verstehe, liebe Gretel,
    wie könnte ich den Winter mit ganz viel Schnee genießen, wenn ich nicht Auto fahren müßte...aber ich muß dies dienstlich tun...und obwohl bisher immer alles gut gegangen ist, habe ich immer eine mulmiges Gefühl...seit meiner Zeit in Dresden, da habe ich in Coschütz gewohnt und mußte morgend den Berg runter -mit dem Auto schlittern...wenn es irgendwie ging habe ich das Auto stehen lassen und bin mit der Straßenbahn gefahren...oder gelaufen, weil die auch nicht mehr wollte ;-)...na, die paar Jahre noch und dann kann jeden Winter so viel Schnee kommen wie will, dann genieße ich das nur noch...
    deine Geschichte ist so unterhaltsam geschrieben, da ist alles gleich nur noch halb so schlimm...und bei uns liegt sowieso kein Schnee heute,

    komm weiter gut durch den Winter,
    liebe Grüße Birgitt

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  8. Ich bin jetzt froh, dass wir keinen Schnee haben...hat doch alles sein Gutes.
    Annette

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  9. Liebe Gretel, was musste ich lachen :) Super gut geschrieben!
    Erst heute früh habe ich mich gefragt, ob sich der allmorgendliche Stress ohne Schnee anders anfühlt...Naja bald ist ja wieder Wochenende und der Winter wieder schön ;)
    Allerliebste Grüße
    Kama

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  10. Was für tolle Schneebilder und eine herrliche Geschichte! Winter hat wirklich so seine zwei Seiten. In unserer Siedlung (Spielstraße) wird der Schnee nicht geräumt und zu uns geht es ziemlich steil bergan. Momentan ein echtes Zittern, dass man beim Herunterfahren nicht auf die Hauptstraße rutscht und auf der Rückfahrt auch den "Berg" wieder hoch kommt. Aber für die Kinder zum Schlittenfahren direkt vor der Haustür geradezu ideal ;-)

    Herzliche Grüße,
    Maike

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  11. Ich musste auch lachen, als ich den ersten Teil las, denn meiner Tochter in Vermont/USA geht es ähnlich. Nur mehr Schnee, größere Kälte, viel einsamer, weitere Strecken und ohne Allrad kein Fortkommen... Irgendwann beginnt man dann anders zu denken - und hat immer genug Decken und Notfallausrüstung im Auto. Übrigens: wenn man dort mit dem Auto liegen bleiben sollte, hält der nächste sofort an und hilft (es kann nur dauern, bis der nächste mal kommt...).
    Ich bin froh, dass wir hier am Bodenseeufer im Notfall alles auch zu Fuß erreichen können.
    Deine Schneebilder sind wunderschön, da vergisst man die Mühen schnell wieder...
    Liebe Grüße
    Andrea

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