Fly Away war gestern


Eigentlich bin ich ja sonst kein großer Anhänger der Firma Google, aber eines muss man ihnen lassen, mit Maps haben sie ein erstklassiges Kartenwerk geschaffen. Jeder noch so kleine Feldweg ist darin verzeichnet und das hat uns oft geholfen.
Das große Kind ist zum spitzenmäßigen Navigator geworden (übrigens nicht nur auf Feldwegen und alten Panzerstraßen, sondern auch im Großstadtverkehr von Berlin)


1. Flugplatz Sperenberg




Am alten Flugplatz Sperenberg war hier erst einmal Schluss.
Tore zu, dicke Mauer überall, ein Hinweisschild, dass ab und an Führungen stattfinden. Nur leider wieder das bekannte Problem, nicht in unserer Urlaubswoche.
Eine halbe Stunde später fuhren wir über einen Umweg durch den Wald direkt aufs Gelände. Eventuelle Verbotsschilder müssen wir wohl komplett übersehen haben, ich schwöre (zwei Finger gekreuzt hinter dem Rücken haltend...)




Der Flugplatz Sperenberg war bis 1994 ein sowjetischer Militärflugplatz bei Sperenberg in Brandenburg.
Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die umfangreiche Nutzung des Geländes weitgehend eingestellt. In den 1950er Jahren war die Sowjetarmee auf der Suche nach einem Flugplatz zur ausschließlich militärischen Nutzung. Nach intensivem Streit mit der DDR um die Finanzierung wurde dann schließlich, nachdem man sich auf die Teilung der Kosten geeinigt hatte, ab 1958 auf dem Areal von der DDR ein Flugplatz errichtet, um den bereits existenten, größeren Flughafen Berlin-Schönefeld vom militärischen Luftverkehr zu entlasten.
Der Flugplatz sowie das umliegende Gelände, ein insgesamt rund 24 km² großes Areal, werden derzeit weitgehend nicht genutzt. Sämtliche Gebäude und Installationen sind dem Verfall preisgegeben.



Einer der letzten prominenten Passagiere war der zuvor in Beelitz (da schließt sich wieder ein Kreis) behandelte Erich Honecker. Er wurde 1991 per Haftbefehl gesucht und wurde über Sperenberg von der roten Armee ausgeflogen, wahrscheinlich nach Moskau.


Da das große Kind ja gerade die Fahrschule besucht und auf einem Rollfeld die Gefahr rechts und links Bäume zu streifen eher gering ist, durfte er zum ersten Mal ans Steuer. Learning by Doing.




2. Flugplatz Rangsdorf


Am Vorabend der Eröffnung der Olympischen Spiele 1936 wurde der Sportflughafen Rangsdorf eröffnet. Durch die Lage am See konnten auch Wasserflugzeuge starten und landen. Der Flugplatz wurde später zivil und militärisch genutzt.

1937 absolvierte die damals 17jährige Beate Uhse hier ihren ersten Flug.
Am Wochenende traf sich im Aero-Club die Berliner Prominenz, u.a. Elly Beinhorn und Heinz Rühmann.




Ab 1940 diente der Flugplatz nur noch militärischen Zwecken.
Am 20. Juli 1944 morgens stieg Oberst Schenk Graf von Stauffenberg in ein zweimotoriges Flugzeug. Sein Ziel war die Wolfsschanze, im Gepäck hatte er zwei Sprengladungen.
Der Rest ist bekannt....




Das Gebiet um den Flugplatz ist bis an die Grundstücksgrenzen bebaut.
Es ist also wahrscheinlich, dass ein Nachbar vom Balkon zuschaut, wie man sich in die Büsche schlägt.
Aber ich sehe ja nun nicht gerade extrem freaky aus, die Mutti musste  halt mal eilig ....


Am Tag des Offenen Denkmals gibt es meist offizielle Führungen.

Kommentare

  1. Hallo,
    das ist ja sowas von interessant, sowas gefällt mir. Dass Herr von Stauffenberg von Rangsdorf abgeflogen ist, wußte ich, aber ich kannte den Flugplatz nicht.
    Jetzt habe ich ihn gesehen. Ich finds immer interessant, dass das zum Tag des offenen Denkmals veranstaltet wird. Dieses Jahr gibt es diesen Tag ja wieder und ich freue mich drauf. Nur wir haben hier solche Sachen nicht, andere halt. Das ist halt so, dass zu Zeiten der DDR alles stehen gelassen wurde. Auch aus Gründen zwecks dem Geld, bei uns wirde leider alles abgerissen

    Aber diese Ruine hat etwas auf jeden Fall. Schon alleine die Vergangenheit.

    Allerdings muß ich sagen, ob die Leute heute die Geschichte um Graf Stauffenberg kennen, ich wundere mich jedesmal, wenn ich in Stuttgart am Alten Schloß bin, dort ist ein Denkmal und höre, "wer war denn das?".

    Ich danke dir für diesen wirklich tollen Bericht.

    Lieben Gruß Eva

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    1. Du hast recht, in der DDR wurde vieles nicht abgerissen, weil das Geld und die Kapazitäten fehlten. Deshalb können wir uns heute über den unfreiwilligen "Denkmalschutz" freuen....
      Liebe Grüße

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  2. ...das war wirklich ein Urlaub in die Vergangenheit, liebe Gretel,
    spannend, was du alles erzählen und zeigen kannst...

    liebe Grüße Birgitt

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  3. Gut, dass ihr euch trotzdem dorthin begeben habt obwohl es nicht offiziell erlaubt war. Das ist absolut spannend, was noch so auf die alten Zeiten hinweist, wie die Flugzeugsessel oder der Rote Stern.
    Mein Großer ist auch ein prima Navigator....aber ohne Navigation geht gar nichts, wenn er am Steuer sitzt. Dafür sind wir gestern an einem Kirschenstand vorbeigekommen. Hat sich also gelohnt...:-)
    LG Sigrun

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  4. Ein bestimmt spannender, geschichtsträchtiger Ort.
    Liebe Grüße
    Andrea

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  5. Tolle Entdeckungen! Zu Stauffenberg gehört dann noch seine Schwägerin, die Fliegerin & Flugingenieurin (Me)Litta Schenk Gräfin Stauffenberg, die ihm ja auch zuerst einen Flug angeboten hatte, Wg. Mangelnder Reichweite wurde der verworfen. Jetzt wäre ich neugierig, von welchem Flugplatz aus sie geflogen wäre...
    Tolle Fotos!
    LG
    Astrid

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  6. Wow...liebe Gretel...du mauserst dich noch zur Lost-places-Queen...;-). Tolle Eindrücke hast du wieder mitgebracht! LG Lotta.

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  7. Haha, die Mutti musste mal... ;-) Wo ihr überall wart... Lieben Gruß Ghislana

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  8. :-) Wo Ihr Euch so rumtreibt :-)
    Aber so verlassene Orte gefallen mir auch recht gut.
    Ich könnte mich da mit einer verlassenen Stadt
    mit zig Einschusslöchern auf den Golanhöhen in Israel einreihen.
    Das war meine größte Entdeckung an verlassenen Orten.
    Deine Bilder sind klasse!
    Ganz liebe Grüße
    Melanie

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