Lost Places, gedämpfte Aufbruchstimmung, Edelkarossen und Privatmuseum


Während die Kinder sich in der Eiswelt-Ausstellung tummelten, hatte ich Gelegenheit, durch einen besonderen Teil Dresdens zu schlendern - das Industriegelände.


Für mich ein sehr spannender Teil Dresdens - siehe Titel - und oft vergessen. Nur die Jugend dürfte wegen der hohen Clubdichte öfters da unterwegs sein, allerdings meistens im Dunkeln...


Die Geschichte des Industriegeländes beginnt schon 1873 durch militärische Anlagen und Lager sowie Kasernen.
Aber erst nach 1918 siedelten sich immer mehr zivile Betriebe an. Radio-Mende, Gläser- Karroseriewerk, Maschinenfabrik Hartmann AG, Lackfabrik Naumann AG sind nur einige große Namen auch Kreiswerkstätten für Schwerbeschädigte richteten sich ein.


Obwohl das Gelände von den Bombenangriffen weitgehend verschont blieb, fiel die Produktion nach dem zweiten Weltkrieg fast komplett aus, weil die Sowjets alles abbauten, was nicht niet- und nagelfest war.  Bis 1950 wurden dann sowieso alle Firmen enteignet.
Bis 1989 arbeiteten dann wieder zahlreiche volkseigene Betriebe in dem Bereich.

Aus den letzten Jahren der DDR kenne ich das Industriegebiet noch persönlich ganz gut, weil ich dort arbeiten musste. Ich fand das alles furchtbar gruselig, abgewrackt, finster, marode - ein Grauen für ein junges Mädchen.


Nach der Wende dann wieder das große Firmensterben.
Viele Hallen und Gebäude standen und stehen leer und verkommen. Andere wurden beispielhaft saniert und es entstand so etwas wie eine Gründerszene und ein kleines Kulturviertel.


Schrittweise soll das gesamte Industriegelände revitalisiert werden, wobei die denkmalgeschützten Gebäude in die Neugestaltung einbezogen werden. Aber davon ist man bis heute ziemlich weit entfernt.

Nebenbei findet man Clubs und Konzerthallen, wie die Straße E oder Tante Ju.
Ich habe noch eine kleine Kaffeerösterei, das Küchenstudio Milano, ein gehobenes Einrichtungsgeschäft, eine Gründerlounge, kleine Handwerksbetriebe, Kfz-Technik, Proberäume für Musiker, Umwelttechnik etc. entdeckt.


Die meisten Gebäude aber stehen leer und gammeln vor sich hin.
Für mich persönlich ist das Industriegelände so ein Synonym für Dresden.
Man tut sich mit Erneuerung, Investition, Jungunternehmertum, coolen Ideen ziemlich schwer.
Hier steckt so viel Potential - in anderen Großstädten wäre das schon ein beliebtes Hipsterareal.
Galerien, Lofts, Gastro, vielleicht ein Streetfoodstandort, kleinere Agenturen und Büros neben den Clubs - mir fiele da eine Menge ein.
Aber hier interessiert man sich halt nur für den Glanz der Altstadt. Und wie immer bleibt mein Gefühl, das Leben in der Vergangenheit beherrscht leider noch immer die Gegenwart und verhindert eine moderne Zukunft.

Bei Lotta ist das Thema "städtisch" und ich bin dabei.



Kommentare

  1. Die Gebäude haben so viel Charme. Schade, dass sie verfallen, sind sie doch Zeitzeugen und Kultur zugleich.
    Liebe Grüße
    Leni

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  2. Ich glaube, das wäre auch ein prima Areal für Leipzig. Das Gelände kenne ich, wenn ich mich nicht irre. Dann waren wir Anfang 2016 dort zur wunderbaren Tutenchamun-Ausstellung. Danach haben wir die Kaffeerösterei besucht und anschließend noch der Pfunds Molkerei in der Neustadt. Also für mich bleibt der Tag in angenehmer Erinnerung. Über das Gelände habe ich mir gar nicht so viel Gedanken gemacht, weil es zu der Zeit sehr belebt war.
    LG Sigrun

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    1. In Leipzig ständen die meisten Häuser sicherlich nicht mehr leer und in Berlin schon gar nicht :-)

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  3. Ach, ich glaube, dass trifft nicht nur auf Dresden zu... Hier werden auch jetzt erst einige solcher Gelände umgewandelt, viele in Wohnsiedlungen. Habe gerade mit einer Freundin gesprochen, die mit ihrem Mann eine Baugruppe begründet hat, die auf einem Industriegelände ganz in meiner Nähe mit vielen anderen gebaut hat ( die ist aber ob der Egoismen der einzelnen Gruppenmitglieder mehr als frustriert ist ). Demnächst werde ich mir das Gelände mal ansehen. Und im Nachbarstadtteil wird das dort sehr lebendige Clubleben gerade umgewidmet... Oft bleiben so die Arbeitsmöglichkeiten für Künstler oder Musiker auf der Strecke, was in einer so kulturintensiven Stadt wie Köln verheerend ist.
    LG
    Astrid

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  4. „...weil die Sowjets alles abbauten, was nicht niet- und nagelfest war...“ ...das wird ja gern mal vergessen, wenn man auf die beiden deutschen Staaten nach dem zweiten Weltkrieg zurückblickt.
    Um solche Gelände nutzbar zu machen, muss oft eine Menge Geld in die Hände genommen werden. In Leipzig ist das zwar passiert, aber nicht immer hält sie Finanzierung, was sie verspricht...Manchmal ist es vielleicht besser, es dauert länger, steht dann aber auf festen Füßen...;-). LG Lotta.

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  5. ...das Gelände kenne ich gar nicht, liebe Gretel,
    muß gleich erstmal schauen, wo das in der Stadt liegt...fotografisch ist das jedenfalls spannend, wie deine tollen Bilder zeigen...hoffentlich finden sich da noch ein paar Investoren, damit nicht so viel dem Verfall preis gegeben ist,

    liebe Grüße Birgitt

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  6. Das ist ein wirklich interessanter Post. Tolle atmosphärische Fotos von den lost places und eine interessante Geschichte. Zur Zeit wird ja überall gebaut, da haben solche Alternativen Orte es schwer.
    Liebe Grüße
    Susa

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