Sterneküche ?


Ich werfe das kleine Schwarze über, ziehe noch in Ruhe den Lippenstift nach.
Draußen wartet ein Taxi, das mich an diesem Abend ins erste Nobelrestaurant chauffieren soll.


STOP! Falscher Film.

Logisch. Hier geht es ja meist viel unspektakulärer zu.
 Gourmetküche ist nicht wirklich meine Kernkompetenz.

Da ich eine der wenigen Mütter bin, die ihre Arbeitszeit flexibel gestalten können, habe ich mich überreden lassen, das Schulessen von 5 verschiedenen regionalen Anbietern zu testen. Unsere Schule möchte einen neuen Essensversorger.

So fuhr ich jeden Mittag los, besser gesagt ich verfuhr mich täglich und landete mehr oder weniger pünktlich an 5 verschiedenen Grundschulen und kam dabei in Gegenden, die ich niemals zuvor gesehen hatte.

Insgesamt waren wir 4 Elternvertreter und ein Hortvertreter.
Alles natürlich streng undercover. Nur die jeweilen Schulleiter wussten Bescheid, damit uns keiner ein besonders leckeres Essen vorsetzen konnte.

Ich futterte mich durch
 Eintöpfe, Fisch, Fleisch, Kartoffeln, Nudeln, Gemüse, Pfannkuchen, Saucen, Salate, Quarkspeisen,
durch Frischeküche, vegetarisch, aufgewärmt, salzig, nach nix schmeckend, durch sämtliche Preisklassen.

Ehrlich - ich persönlich war an einem Wechsel nicht interessiert. Meinen Kindern schmeckt es in der Schule erstaunlich gut, obwohl sie zu Hause ständig mäkeln.

Für mich bedeutet das warme Mittagessen in einer normalen staatlichen Grundschule eine Grundversorgung für alle Kinder.  Frisch und Bio ist ja wunderbar, aber für viele Eltern nicht bezahlbar. Gerade eben habe ich einen Bericht gesehen, dass nach der letzten Preiserhöhung durch den Mindestlohn viele Eltern ihre Kinder vom Mittagessen abgemeldet haben. Ich sehe mich als Vertreter aller Eltern.

Das sehen einige meiner Mittester anders. Ein Vater meinte über die gehobene Frischeküche lapidar. "Naja 7 Euro pro Woche mehr, das ist ne Schachtel Zigaretten wöchentlich weniger ...." 
Ganz klar eine Anspielung auf das verbreitete öffentliche Bild von armen Familien. 
Für mich ein deutliches Zeichen, dass zwischen Kontostand und Verstand nicht unbedingt ein kausaler Zusammenhang bestehen muss.

7 € x 4 = fast 30 € mehr als bisher je Monat ist sicherlich für einige Mütter und Väter schwer zu wuppen.

Was zählt für mich?
  • nettes Küchenpersonal,
  • genug Zeit fürs Essen,
  • ein angenehmer Speiseraum,
  • täglich Obst und Gemüse,
  • möglichst viele regionale Produkte,
  • Auswahl zwischen 2 - 3 verschiedenen Essen,
  • preisliche Abstufungen der einzelnen Gerichte

Mal sehen, wie sich unsere Schule entscheiden wird.








Kommentare

  1. Liebe Gretel,
    da gebe ich Dir recht, mal eben 30 Euro mehr im Monat.....wer allein-erziehend ist oder wo es mehrere Kinder hat, da ist das fast nicht zu schaffen....Und Bio wird da gar nicht möglich sein und ich muss sagen, nur Bio können wir uns auch nicht leisten. Hier und da kaufen wir auch Bio, aber eben nur mal....Ich denke, Ihr werdet zu einer Lösung kommen, die für alle ok ist :-)
    Schöne sonnige Woche, Ophelia

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  2. Liebe Gretel,
    das hört sich gut an, täglich Obst und Gemüse, regionale Produkte.......Bei uns an der Schule ist das Projekt mit dem Essen leider kläglich gescheitert ! Viele konnten oder wollten es sich nicht leisten oder die Kinder sind leider öfter zur Döner Bude gegangen, fragt sich nur, was letztendlich denn nun billiger und vorallem auch gesünder war ?! Puh nicht einfach alle unter einem Hut zu bekommen ! Und es muss ja auch finanziell gehen, der wäre ein Fond für Familien gut, aus dem man schöpfen könnte, wenn Engpässe da sind. Aber dann gibt es auch wieder die, die sagen, gibt es halt eine Schachtel Zigaretten.......und es gibt Streitigkeiten, wer unterstützt wird und wer nicht....
    Alles nicht einfach, dabei ist gesundes Essen so wichtig !
    In der Schule meines Sohnes haben sie auch eine zeitlang am Morgen zusammen gefrühstückt (wurde zusammen aus der Klassenkasse eingekauft und dann zubereitet), weil sie festgestellt haben, dass manche Kinder ohne Frühstück zur Schule kamen.
    Liebe Grüße und noch eine schöne, sonnige Woche,
    Birgit

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  3. Hallo Gretel,
    ich finde es toll, wie du quer für alle Eltern denkst. Wenn man es sich leisten kann, dann rutscht schon mal schnell ein " naja, dann sollen sie halt mal die Zigaretten und 2 Bier weglassen"-Spruch raus. Doch bei den meisten, die es betrifft, ist der Satz unverschämt und nicht richtig.
    Doch es ist trotzdem schon sehr schön, dass man sich an der Schule Gedanken macht und vielleicht kommt es zu einer Lösung, die sowohl zu frischerem/besseren Essen, wie auch zu einem Nichtschinden des Geldbörserls führt! *drückdiedaumen*

    die hoffende
    mole :)

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  4. Puh 30 € mehr ist viel.Und das Thema Essen in den Schulen und die Kosten bleibt wohl immer ein Thema für sich.Wenn ich was zu sagen hätte dann würde ich einführen das es jeden Tag lecker und gesundes Essen an den Schulen gibt,frisch gekocht und das die Schule das bezahlt.Und jeder Essen bekommt.Denn viele Eltern können das Geld nicht aufbringen und bei vielen wird erst garnicht gekocht.

    LG
    Nicole

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  5. An der Schule vom Sohnemann sind es 3,50 € pro Mahlzeit. Das 4x die Woche, mit Vorbestellung. Zum Glück kein Muss, denn er hat es schon paar mal vergessen. Und DAS war mir dann wirklich zu teuer.
    Da wir eh meist erst abends warm essen, bekommt er genug Brot und Obst/Gemüse mit in die Schule. Damit fahren wir zurzeit recht gut.

    Liebe Grüße an Dich Testesserin,
    Sonja

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    1. Stopp, hab geflunkert. Es sind momentan 3,10 €.

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    2. Wir werden hier auch zwischen 2,90 € und 3,50 € liegen. Die Kleine isst täglich mit, der Große kann es sich aussuchen.

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  6. Ich denke, Geschmäcker sind verschieden...besonders bei Kindern. Mein Großer hat in der 7. Klasse aufgehört, am Schulessen teilzunehmen ( er sollte eigentlich mitessen, hat sich aber verweigert ). Meine große Tochter isst jetzt auch in der 10. Klasse mit. In den letzten 10 Jahren haben wir so einige Wechsel an Essensanbietern hinter uns...und, hat sich wirklich etwas Wesentliches verändert? Nein. Denn der Preis ist nun mal nicht sehr flexibel, für 3,50 Euro kann man keine Gourmet-Küche erwarten. Ich wage zu bezweifeln, dass Kinder von berufstätigen Eltern, die mittags nicht kochen können, sich gesünder ernähren, wenn sie nicht am Schulessen teilnehmen (...für 3,50 Euro ;-))...In der Regel wird der nächste Bäcker oder der nächste Großmarkt mit dem Fahrrad angefahren...Mein Fazit: Man sollte die Kirche im Dorf lassen...;-). LG Lotta.

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  7. Bei unserer Schule hat man letztes Jahr den Anbieter gewechselt. Auch wenn man abstimmen durfte, wusste man nicht, ob es danach besser schmeckt. Wichtig war mir vor allem, dass es regional ist und nicht aus dem Gefrierschrank kommt. Es ist teurer geworden, aber immer noch weniger, als bei euch. Wir liegen noch bei 1,65 - 2,05 €.... Die Einführung des Mindestlohnes hat bewirkt, dass man das Essen morgens nicht mehr abbestellen kann, wenn ein Kind krank ist. Das ist weniger toll.
    LG Sigrun

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  8. hallo Gretel,
    ich habe gleich gedacht, wenn man dann auch noch mehrere Kinder auf der Schule hat ist das ein Vermögen für viele Familien.
    An einer früheren Schule wollten auch immer mal wieder Eltern, dass das Essen geändert wird. Bei einer Auflistung der Schüler wollten dann aber genau so viele von etwas mehr (z.B. Fleisch, Süßspeisen...) wie andere genau dieses weniger wollten :-)
    Vielen Dank, dass Du mir geschrieben hast, an diesen Tagen waren mir liebe Kommentare besonders wichtig.
    liebe Grüße von Petra

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