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Es war keine gute Woche.

Wenn ich in das Zimmer des großen Kindes gehe, dann sehe ich Tüten, Schlüsselanhänger, Aufkleber, Bordkarten, Postkarten von German*wings und Luft*hansa da liegen.

Das große Kind fliegt mehrmals im Jahr über die Alpen zur italienischen Verwandtschaft. Ostern wird er wieder ein Flugzeug in diese Richtung besteigen.

Er liebt das Fliegen, hat eine volle Meilenkarte, durfte schon mit ins Cockpit, hat ein Lob von einem Flugkapitän, weil er Passagiere mit Flugangst beruhigte. Turbulenzen stören ihn nicht. Sein größter Traum ist es, Pilot zu werden.

Ich selbst fliege nicht mehr. Das hat nichts mit Flugangst zu tun, sondern liegt daran, dass ich generell Räume meide, aus denen ich nicht selbstbestimmt wieder rauskomme, also auch Fahrstühle oder lange Tunnel.

Diese Angst habe ich nie auf meinen Sohn übertragen. Mit Urvertrauen lasse ich ihn schon seit Jahren ins Flugzeug steigen. Für mich ist es das sicherste Verkehrsmittel.

Viel mehr Sorgen mache ich mir um den täglichen Schulweg mit dem Fahrrad über große Kreuzungen in der Stadt.

Daran wird sich jetzt auch nichts ändern.

Trotzdem geht mir das Unglück besonders nahe, nimmt mich mit. Es hätten auch wir sein können. 
Das Schicksal hat seine eigenen grausamen Regeln .
Diese Anzeigentafel, auf der ein Flug ohne Ankunftszeit steht, wird mich vor meinem geistigen Auge begleiten, wenn ich wieder einen Flughafen betrete.

Meine Gedanken kreisen um alle Betroffenen, ich bin traurig, es tut mir so leid. 


Bildergebnis für flugzeugabsturz germanwings schwarze Schleife


Es gibt ein Leid, für das der Trost zu klein. 

Christian Friedrich Hebbel (1813 - 1863)


Meine Glücksmomente für diese Woche werde ich auslassen, ich habe das Glück irgendwie nicht an mich herangelassen.
Manchmal ist die Essenz des Lebens nur, nicht im falschen Moment am falschen Ort zu sein.

Kommentare

  1. Ja, es macht einen so unglaublich betroffen, besonders wenn man von den Einzelschicksalen erfährt. Und immer wieder diese Frage...warum...? Was bewegt einen Menschen dazu, 149 andere Menschen mit in den Tod zu nehmen...LG Lotta.

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  2. Ja, es hätte jeden von uns treffen können. Der Mann fliegt ständig nach China und wie dürfen aufgrund des übervollen Meilenkontos davon profitieren. Als die Lufthansa unseren Algarve-Urlaub im Herbst fast unmöglich gemacht hat, ist Germanwings eigesprungen und wir durften noch ein paar glückliche Tage verbringen. Ich hatte früher nur in Indien Flugangst....ich glaube, jetzt werde ich sie immer haben.
    Ich wünsche deinem Sohn, dass er seinen Traum erfüllen kann,
    LG Sigrun


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  3. Eine sehr traurige Geschichte. Besonders traurig macht die Tatsache, dass der Copilot nicht nur sich selbst das Leben nahm, sondern noch so viele unschuldige Menschen mit in den Tod riss - unglaublich. In Gedanken bin ich immer mal wieder bei den betroffenen Angehörigen.
    Immer wieder sollte man sich bewusst machen, das Leben zu geniessen und versuchen jeden Moment achtsam zu leben bevor es zu spät ist.
    Liebe Grüsse
    Sarah

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  4. Hallo liebe Grtel,

    ja eine sehr schlimme Sache, die mich einfach sprachlos und sehr nachdenklich macht.

    Lg

    Barbara

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  5. Liebe Gretel,
    vielen Dank für deine öffentlichen Gedanken,
    ich schließe mich denen an, finde es gut, dass du deinen Sohn machen lässt - und warte noch einmal ab - für mich ist das Bild noch nicht komplett.
    Liebe Grüße - Monika

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  6. Es ist wirklich schrecklich was passiert ist.Wir haben mit unseren Kids auch darüber gesprochen und es kamen so Sätze wie;ich fliege nie.Da habe ich meinen Kindern dann erklärt das es mehr Autounfälle wie Flugzeugabstürze gibt.Aber wenn es gerade dann passiert und einer deiner Kinder drin sitzt interessiert das alles nicht.Noch schlimmer ist wenn man diese Strecke ständig fliegt.
    LG
    Nicole

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  7. Das besonders Tragische ist eben bei Flugzeug-, Schiffs- oder Zugunglücken, dass immer gleich so viele Opfer auf einmal zu beklagen sind. Das macht das Ganze noch um einiges unfassbarer. Trotzdem (oder auch gerade deswegen) empfinde ich die vorschnellen Infos, die rausgegeben werden, als sehr ungünstig.

    Dass Dein Sohn Pilot werden möchte, finde ich klasse. Irgendwann fliegt er Euch dann in den Urlaub.

    LG,
    Sonja

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  8. Ach Gretel, jetzt ist mein Kommentar ins Nirwana gewandert, mein Computer spinnt im Moment.
    Ich schick Dir viele liebe Grüße und dass am Wochenende viel Schönes im Vordergrund steht.
    Petra

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    1. ... ich habe in meinem Artikel eben zu Dir verlinkt, wenn Du das nicht möchtest, sag doch bitte Bescheid. Liebe Grüße!

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  9. Ich kann dich, deine Ängste, deine Gefühle so gut nachvollziehen ( und ich habe die inzwischen auch noch in Bezug auf 6 Enkelkinder ). Und trotzdem muss man sie gehen lassen, diese Kinder. Und sich sorgen bis zum eigenen Ende. Aber ohne diese innere Verbindung zu geliebten Menschen wäre mir mein Leben auch nichts wert.
    Nichts wird mehr sein, wie es war für die Menschen, die bei diesem Unglück jemanden verloren haben - dieses Erlebnis habe ich mit meinen 63 Jahren nun schon öfter erlebt ( und werde es auch wieder erleben ). Aber ich weiß auch, dass etwas anderes sein wird, eine Tiefe im Empfinden & Erleben, die vorher nicht da war. Es gibt auch für die meisten von uns Menschen ein Weiterleben nach einem solchen persönlichen Drama. Das Wichtige ist das Gefühl von Eingebundensein in die menschliche Gemeinschaft - siehe oben.
    Zur Tiefe im persönlichen Erleben gehört ( für mich ) auch der Blick für die kleinen Schönheiten, die unsere Erde uns bietet ( ich sage nur: Kinder, Blumen, Sterne! ). Dies wird für mich umso wichtiger, als mir klar ist, dass ich voraussichtlich noch zehn, fünfzehn gute Jahre haben werde, und ich rückblickend erkannt habe, wie viel Zeit ich für das Falsche verplempert habe.

    Alles Liebe!
    Astrid

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